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Stadtteilverein Vauban e.V.
Der aktive Bürgerverein in Freiburgs neuem Modellstadtteil Vauban

• Verein

BürgerInnenbeteiligung im Quartier Vauban

– zwischen Protestkultur und kommunaler Gremienarbeit

DIVA
28 große Kasernengebäude waren zum Abriß bestimmt. Die Bürgerbewegung hat erreicht, daß 12 davon erhalten blieben und heute zum vielfältigen Angebot Vaubans beitragen.

Marktplatz
BewohnerInnen engagieren sich für Bürgerzentrum und Marktplatz.

Flohmarkt
Mit vielen Aktivitäten bereichert die Quartiersarbeit das kommunikative und kulturelle Angebot im Quartier.

Endingen
Mit dem Stadtteilverein zu Besuch in unserer Partner- gemeinde Endingen mit anschließender Treckerrundfahrt

teppich Mit Plakat wirbt der Stadtteilverein für einen Alternativvorschlag

Verkehr
Der Verkehr im und ums Quartier bleibt ein Dauerbrenner

Vorgeschichte: Die ersten BewohnerInnen

Das Studieendenwerk Freiburg wurde Träger von acht ehemalige Kasernengebäuden, in denen seit 1993 rund 600 StudentInnen wohnen, vier Ex-Mannschaftsgebäude wurden nach Besetzung und zähen Verhandlungen der Selbstverwalteten, unabhängigen Siedlungsinitiative (S.U.S.I) übertragen, die so günstige Wohngemeinschaften für Auszubildende, Künstler, Handwerker und junge Familien geschaffen hat. Alle alten Gebäude konnten inzwischen auch energetisch saniert und z.T. mit Solaranlagen versehen werden.

Bürgerschaftliches Engagement von Anfang an
Der Stadtteil Vauban wurde seit 1994 nach einem städtebaulichen Ideenwettbewerb auf dem Gelände der ehemaligen französischen Vauban-Kaserne am Südrand von Freiburg geplant. Von Anfang an engagierten sich viele interessierte BürgerInnen, die mitgestalten wollten. Dem im folgenden Jahr gegründeten Forum Vauban e.V. übertrug dann die Stadt die Koordination der ‚erweiterten Bürgerbeteiligung im Planungs- und Bauprozess’. Das Forum Vauban informierte und beriet Wohninteressierte und unterstützte die Entwicklung von Baugruppen. Sowohl in der Planungs- und Bauphase (ab 1994 bzw. 1998) als auch in der Wohnphase sind im Quartier vielfältige Initiativen und Arbeitskreise der zukünftigen und neuen EinwohnerInnen entstanden.

Forum Vauban fördert 'lernende Planung'
Mit ihrer Unterstützung konnte das Forum Vauban in den Diskussionen über den Bebauungsplan Weichen stellen, z.B. für das Verkehrskonzept und mehr verkehrsberuhigte, stellplatzfreie Wohnstraßen, das selbstverwaltete Stadtteilzentrums im Haus 037, die Gestaltung des zentralen Marktplatzes oder das innovative Blockheizkraftwerk auf Basis des Energieträgers Holz. Das Forum Vauban e.V. konnte durch das von der EU geförderte Projekt zur Realisierung des nachhaltigen Modellstadtteils Vauban (1999 -2002) eine Reihe von Ideen und Vorschlägen der BürgerInnen in die städtische Planung einbringen. 2004 löste sich der Verein aufgrund einer späten, strittigen EU-Rückforderung auf, das Verfahren wurde später eingestellt.

Ideen für mehr Teilhabe
Schon 2003 hatte der Arbeitskreis ‚Teilhabe’ Ideen gesammelt und Vorbilder gesucht, um ein Modell zu entwickeln, in dem mehr BürgerInnen in die Meinungsbildung im Quartier und die Interessenvertretung gegenüber der Verwaltung einbezogen werden können als in einem Bürger- oder Stadtteilverein üblich. Auf zwei gut besuchten Quartiersversammlungen im Dezember 2004 und Februar 2005 wurden verschiedene Ansätze einer erweiterten Beteiligung zur Diskussion gestellt. Die Idee eines Stadtteil- oder Quartiersrates, der von allen erwachsenen BewohnerInnen in Vauban gewählt werden kann, wurde überwiegend positiv aufgenommen. Jedoch wurde bald deutlich, dass der gewünschte Stadtteil-/Quartiersrat eine allgemeine. städtische Akzeptanz und bestimmte Entscheidungsmöglichkeiten (Stichwort: stadteilbezogene Haushaltsmittel) und damit eine längerfristige Vorarbeit z.B. durch Öffentlichkeitsarbeit benötigt. Auch die Organisation der Wahl erfordert viel Zeitaufwand und vorher eine gute rechtliche Abklärung bzgl. Datenzugang und -Sicherheit. Deshalb schlug der Arbeitskreis Teilhabe schließlich die Gründung eines BürgerInnenvereins vor.

Gründung des Stadtteilvereins
Am 3. März 2005 wurde der Verein unter dem Namen Stadtteilverein Vauban e.V. ins Leben gerufen. Nicht zuletzt aufgrund der Bemühungen des Stadtteilvereins erhielt das Quartier Vauban auch offiziell den Status eines Stadtteils.

Ein wichtiges Thema stand gleich an: die Gestaltung des zentralen Platzes - nachdem die zunächst geplante Teilbebauung nach diversen Protestaktionen, organisiert vom Ak freier Marktplatz offiziell zurückgenomen wurde. Im November 2005 rief der Stadtteilverein zu Spenden und Sponsoring für den Marktplatz auf. Dessen Gestaltung sollte trotz des Sparkurses der Stadt stärker den Bedürfnissen der BewohnerInnen und seiner Bedeutung als lebendige Mitte des Quartiers entsprechen.

Partizipative Marktplatz-Gestaltung
Nach einem Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Dr. Salomon, an dem etwa 150 BewohnerInnen teilnahmen, gab es endlich grünes Licht für die immer wieder angemahnte Bürgerbeteiligung zum Marktplatz. Danach gab es mehrere Gesprächrunden von VertreterInnen des Stadtteilvereins, des Stadtteilzentrums und und des Bauernmarktvereins, mit dem Tiefbauamt und dem Planungsbüro, bei denen eine Einigung über den Entwurf hergestellt werden konnte. Mit viel Prominenz und im Beisein Stephan Doblins, dem Enkel des Schriftstellers Döblin, wurde der Alfred-Döblin-Platz (Marktplatz) schließlich im Frühjahr 2007 eröffnet.

Der Stadtteilverein wird Träger der Quartiersarbeit
Der offizielle Antrag des Stadtteilvereins zur Übernahme der Trägerschaft der Quartiersarbeit zum 1.1.2006 wurde vom Dezernat III, Kultur, Jugend, Soziales und Integration, positiv beschieden und mit einem Zweijahresvertrag, in dem Zuschussverwendung (für fünfzig Prozent-Stelle pädagogisches Personal, Sachkosten und einen kleinen Projektmittelfonds) sowie Ziele und Aufgaben beschrieben sind. Der Zuschuss muss zu jedem Zweijahreshaushalt der Stadt neu beantragt werden. Der Beirat der Quartiersarbeit Vauban wurde bereits im Jahr 2000 eingerichtet, als das Forum Vauban noch Träger der Quartiersarbeit war. Er bietet ein Diskussionsforum für Anliegen, Vorschläge und Empfehlungen an die betreffenden Behörden und fördert den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern: Das sind neben Quartiersarbeit/Stadtteilverein andere soziale Einrichtungen und Initiativen in Vauban, interessierte BewohnerInnen und als Gast die Vertretung der Stadtverwaltung - aktuell heißt es Amt für Soziales und Senioren.

Die Quartiersarbeit organisierte 2010 anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens eine Veranstaltungsreihe zum nachhaltigen und sozialen Leben im Quartier unter dem Titel "Vauban 10 +", gemeinsam mit anderen Einrichtungen wie dem selbstverwalteten Stadtteilzentrum, dem Jugendzentrum und einigen Baugemeinschaften. Es ging nicht nur um Rückschau, sondern auch um weitere Perspektiven. Freiburger BürgerInnen aus anderen Stadtteilen waren eingeladen, die soziale und kulturelle Vielfalt und das ‚ge-/belebte’ umweltfreundliche Modell kennen zu lernen – vom energiesparenden Wohnen über Mobilität bis zum Konsum.

Beispiele von zwei ehemaligen Arbeitskreisen:

AK Jugend…
Im Januar 2006 stand bei einer Veranstaltung das Thema ‚Jugend im Quartier’ im Mittelpunkt. Als Gäste waren das Jugendzentrums JuKS und der Kinderabenteuerhof (KIAB) eingeladen. Rund dreißig Interessenten kamen zusammen, es bildete sich der 'Arbeitskreis Jugend'. Dieser setzte sich mit Ausdauer und Erfolg für eine bessere Ausstattung des JuKS Vauban und vor allem für ein Freigelände für Jugendliche für sportliche und gesellige Aktivitäten ein, da die Grünspangen diese Anforderungen nur unzureichend erfüllen. Das Gelände wurde mit viel Selbsthilfe und finanzeiller städtischer Förderung auf dem Gelände des Blockheizkraftswerks gestaltet und im Jahr 2011 eröffnet; es wurde aber nur eine temporäre Nutzung zugesagt. Der Arbeitskreis konnte somit ähnlich wie der Arbeitskreis Marktplatz nach einigen Jahren mit diversen Treffen, Einsatz und Ideen die Arbeit beenden.

…und AK Eingang
2008 gab es einen neuen Anstoss für zahlreiche Aktionen des 'Arbeitskreises Eingang': Beim langgestreckten Baugrundstück (M1) am Eingang der Vaubanallee zog sich nach langem Zögern der Investor wieder zurück. In einem Workshop Ende des Jahres entwickelten Vereinsmitglieder und interessierte BewohnerInnen erste Ideen für eine aufgelockerte Bebauung an diesem 'Engpaß' und Verkehrsknotenpunkt – als Alternative zum zunächst geplanten durchgängigen 'Riegel'. Zwischenzeitlich wurde das Grundstück vom Wagenkollektiv 'Rhino' besetzt. Nach zweimaligen 'Absprung' interessierter Investoren beauftragte der Gemeinderat schließlich die Stadtbau Freiburg mit dem Bau von zwei großen Gebäuden, eines davon wurde das erste 'inklusive Hotel' in der Stadt - und als Besonderheit zur Südseite durchgehend begrünt.

Beispiel Konzept Verkehrsberuhigung
Gerade die verkehrsberuhigten Areale in Vauban sind heute die attraktivsten Wohnbereiche. Die Straße hat sich zum erweiterten Wohnumfeld entwickelt. Alle VerkehrsteilnehmerInnen sind gleichberechtigt. Die Straße bietet Raum für vielfältige Aktivitäten: sichere Spielräume für Kinder, Platz für Begegnung und Kommunikation von Jung und Alt. Diese Nutzung und Wertschätzung der verkehrsberuhigten Wohnstraßen – besonders durch Familien – spiegelten auch die Umfrage der Quartiersarbeit von 2009 und weitere Studien wider.

Im Gegensatz zur Bewohnerschaft haben Teile von Politik und Verwaltung das vorbildliche Verkehrskonzept Vauban mit seinen stellplatzfreien Arealen erst nur halbherzig unterstützt, bzw. mit Skepsis betrachtet. So war es nicht verwunderlich, dass z.B. in den Randbereichen vom 2. und 3. Bauabschnitt viele Bauprojekte mit eigenen Tiefgaragen zugelassen wurden, die dort zu mehr Verkehr in den Tempo-30-Zonen führten. Erst durch stetes Nachhaken des Ak Verkehrs wurde Parken in den Spielstraßen, wo nur Be- und Entladen erlaubt ist, etwas konsequenter kontrolliert.

Arbeitskreis Verkehr
Nichtsdestotrotz ist es notwendig, Konzepte weiterzuentwicklen, Verkehrssituationen zu verbessern wie z.B. die unbefriedigende Radverkehrsanbindung an die Innenstadt. Schon seit Jahren ist der Arbeitskreis Verkehr immer wieder damit beschäftigt, für den Fußgänger- und Radverkehr Konfliktpunkte zu entschärfen und Vorschläge für nachhaltigere Mobilitätskonzepte zu machen.

Die Förderung der Mobilität per Rad und Fuß hat einen wesentlich geringeren Etat als der für Infrastruktur des motorisierten Verkehrs. Nur durch mehr Engagement und die Unterstützung von vielen Menschen aus Vaubans Bewohnerschaft entfaltet sich eine wirksame Dynamik, die zur Änderung überholter Konzepte und für neue Ideen führen kann. Das zeigten die seit zwei Jahren intensivierten Aktionen, mit dem Ziel, im Austausch mit der Stadt eine Problemlösung für eine sichere und zügige Querung der Wiesentalstraße für Fußgänger- und RadlerInnen zu finden. Das ist nicht einfach, wenn sie nicht viel kosten 'darf'. Es gab selbst durchgeführte Radverkehrszählungen, Unterschriftensammlungen und Ortsbegehungen mit Fachleuten und StadträtInnen, die vorerst zu einer Minimallösung führten (mehr Infos dazu beim Arbeitskreis Verkehr).
Alle Rechte bei Stadtteilverein Vauban e.V. – www.stadtteilverein-vauban.de
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